Die Arbeit/ Ablauf

Ablauf

Ein Au-pair Jahr ist relativ umfangreich, auch wenn man die „Extras“ wie Ausflüge und Urlaube weglässt, sind die einzelnen Phasen durchorganisiert und vorgeplant, so dass es im Grunde zu keinen unerwarteten Überraschungen kommt. Dies gibt beiden Parteien – dem Au-pair und der Gastfamilie – eine gewisse Sicherheit und sie können so die Zeit um diese Eckdaten herum planen.

Bis zu drei Monaten vor dem gewünschten Beginn des Aufenthalts sollte die Bewerbung abgeschickt werden. Das Zusammenstellen aller Unterlagen dauert meist zwei bis drei Wochen, wer aber rechtzeitig anfängt, bei dem wird es am Ende zu keinen zeitlichen Engpässen kommen. Und selbst zwei bis drei Wochen vor gewünschtem Abflug ist eine Vermittlung noch möglich.

Wurde die Bewerbung abgeschickt heißt es erst einmal abwarten und Tee trinken (letzteres ist ja zu einer Art Volkssport in England geworden, so dass sich schon in dieser ersten Phase daran gewöhnt werden kann). Der Grund für die Wartezeit liegt darin, dass die Unterlagen bei der Organisation ankommen müssen, dort gescannt werden und dann per Email an eine interessierte Gastfamilie weitergeschickt werden.

Ist die Gastfamilie nach gründlicher Durchsicht der Bewerbungsunterlagen noch an dem Au-pair interessiert, so nehmen sie Kontakt zu diesem in einem (oder mehreren) Telefonaten auf. Im Rahmen dieser „Interviews“ können nicht nur die eigenen Sprachfähigkeiten unter Beweis gestellt werden, die Gastfamilie hat zudem die Chance offene oder zusätzliche Fragen an das Au-pair zu richten. Im Grunde geht es allerdings darum herauszufinden, ob sich Gastfamilie und Au-pair sympathisch sind. Nach einer Bedenkzeit haben beide Seiten die Chance sich für oder gegen den anderen zu entscheiden.

Haben sich beide Parteien übereinstimmend (auf Grund gegenseitiger Sympathie) für den jeweils anderen entschieden heißt es für das Au-pair Kofferpacken. Die Frage, wie viel eingepackt werden sollte, lässt sich leicht beantworten: Zum einem wird die Menge des Gepäcks durch die Vorgaben der jeweiligen Fluggesellschaften eingegrenzt (Informationen dazu gibt es auf den jeweiligen Internetpräsenzen der Fluggesellschaften). Zum anderem sollte möglichst viel Platz für Souvenirs und neue Kleidungsstücke aus England gelassen werden. Kleidung für gut eine Woche sollte das Maximum sein. Der Rest wird sicherlich vor Ort neu gekauft, allein schon deswegen, weil es in England einen anderen Modestil gibt, der den Wunsch aufkommen lässt, sich so schnell wie möglich anzupassen. Wenige Stunden vor Abflug bricht das Reisefieber aus. Die Zeit bis zur Ankunft erscheint ewig und die Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt, gepaart mit dem verhassten Gefühl des Abschieds, lassen diese Zeit zu einer Zerreisprobe werden.

Ist der Zeitpunkt der Ankunft dann endlich da, ist es nur schwer zu verstehen, dass die Zeit der letzten Tage und Stunden dann doch so schnell verging und dass der neue Lebensabschnitt jetzt, nach wochenlangem Warten, endlich beginnt. Allerdings kommt es bei vielen Au-pairs in den ersten Tagen nach der Ankunft zu einem Kulturschock. Obwohl England im Grunde gar nicht soweit von zu Hause entfernt ist, ist doch alles fremd, neu und unbekannt. Denn nicht nur die Sprache, sondern auch die Kleidung, Sitten und Tagesabläufe sind ungewohnt und neu. Sich einzuleben fällt den meisten schwer, aber nach gut zwei Wochen ist diese erste harte Phase überwunden und die Zuwendung zu neuen Dingen und Abläufen kann geschehen.

Gerade in den ersten Tagen ist der Vergleich mit einem Spitzensportler im Trainingslager, nicht allzu weit hergeholt. Es müssen Straßennamen und Wege zur Schule, in den Kindergarten und zum Sportverein gelernt werden, die eigenen Koffer ausgepackt und Kontakte mit Nachbarn und anderen Au-pairs geknüpft werden. Die Anpassung an den familiären Alltag und die Gewohnheiten der Kinder kommen noch hinzu. Dann aber, nach drei bis vier Wochen, kehrt – fast wie von selbst – der Alltag ein. Die Aufgeben werden zur Routine und die Straßenkarte kann getrost zu Hause gelassen werden. Die Umstellung von Deutsch auf Englisch fällt auch immer leichter und schon bald kann eine Sprachverbesserung verzeichnet werden. Mit dem Besuch einer Sprachschule können diese Verbesserungen noch verstärkt werden. Nach dem Trubel der ersten Wochen, sollten die kommenden Monate genossen und das meiste aus ihnen herausgeholt werden. An den freien Wochenenden ist Zeit für Ausflüge in die Umgebung. Wer nah dran ist, kann diese Zeit in London verbringen und dort die kulturelle Vielfalt genießen. Aber auch Englands „Countryside“ ist einen Besuch wert, um der Hektik und dem Stress des Alltags zu entfliehen. Wer länger in England bleibt, hat vielleicht das Glück, dass ein paar Urlaubstage herausspringten, in denen in die entfernteren Gegenden des Vereinigten Königreiches eingedrungen werden kann. Schottland oder Irland sind auch immer einen Besuch wert.

Die letzten Wochen sind dann wieder mit einem Gefühlschaos gefüllt. Einerseits kann der Tag der Abreise nicht schnell genug kommen, die Vorfreude auf alte Freunde und die eigene Familie scheint überwältigend. Andererseits fällt der Abschied von den neuen Freunden und der Gastfamilie schwerer als es zu Anfang überhaupt vorstellbar war.

In den letzten Tagen und Stunden muss sich wiederum der inzwischen lästigen Aufgabe des Packens gestellt werden. Der Anteil an Kleidung, Schuhen und Mitbringseln hat sich in den vergangenen Monaten um das 500-fache erhöht und der damals so riesig aussehende Koffer ist nicht nur zu klein, er scheint auf einmal eingelaufen zu sein. Abhilfe schaffen da nur eine ausgeklügelte Packtechnik und die im Handel erhältlichen “Space Bags“, aus denen die Luft entweder rausgerollt, oder mit Hilfe eines Staubsaugers abgezogen, wird.

Ist der Tag der Abreise dann gekommen, wollen die Tränen kein Ende nehmen und der Koffer am Liebsten sofort wieder ausgepackt werden. Auch wenn dieser Tag das Ende einer wunderbaren Zeit bedeutet, kann von den gewonnenen Erfahrungen doch ein Leben lang gezehrt werden. Und da Flüge nach England nicht die Welt kosten, steht einem Besuch bei der Gastfamilie im nächsten Jahr praktisch nichts im Wege.